Mama ist so tierlieb
"Gutzigutzigutzi" krault sie den alten Papagei am federlosen Bauch und der kackt ihr vor Freude auf die Schulter. Die weißgrüne Papageienscheiße glitscht ihr feuchtwarm über den Rücken und klatscht auf den Fußboden. Sie schlüpft aus ihren Birkenstocklatschen und steigt mit ihrem bestrumpften Fuß auf die Kacke, dreht den Fuß links, rechts, links, rechts und weg ist der Fleck. Mit der nassen Wollsocke steigt sie wieder in ihren Schlappen und schlurft in die Küche, wo sie Kuddeln und Innereien für die Hunde kocht. Der Gestank zieht durch das ganze Haus. Sie bringt einen Kochtopf mit verbranntem, Essen, das sie ihrer kleinen Tochter vorgesetzt hatte und welches das undankbare Kind mal wieder nicht aufgegessen hat, nach hinten in den Hof und setzt es dort den Hühnern, Enten und Gänsen vor, damit sie die Reste aus dem Topf picken können.
„Quackquackquack“ ruft sie das Federvieh
herbei, das sich gleich aufgeregt schnatternd auf die Essensreste
stürzt. Wieder in der Küche läßt sie das Hundefutter abkühlen und
verteilt den Fraß in die Hundeschüsseln.
"Woistderwauwauwoistderwauwau?" holt sie die Hunde herbei, die das
Futter in sich hineinschlingen. Das hungrige Kind schleicht mit
verweinten Augen durch das Haus und macht sich auf die Suche nach der
Hundeschokolade. Es stiehlt gerade mal so viel, daß es auch ganz sicher
nicht auffällt, damit es keinen Ärger geben kann. Mama ist wieder
draußen im Hof und dreht einem Hasen den Hals um, denn bald gibt es
Hasenbraten für die Erwachsenen. Die Reste vom Braten verbrennen und
verkohlen dann wahrscheinlich auch, denn wegen des Kindes steht sie
nicht gerne lange am Herd.
"Hasihasihasi" lockt sie den nächsten Mümmelmann, der schon bald sein
Hasenleben aushaucht. Wieder in der Küche kippt sie alles an Resten
zusammen, was noch rumsteht: Brot, Reis, Nudeln, Gemüsebrühe, ein altes
Ei, Fischstäbchen und matschiges Gemüse. So, das Essen für morgen,
welches das lästige Kind eh wieder nicht essen wird, ist auch fertig,
nun kann sie sich ihren Handarbeiten widmen und sich um die
dreihundertvierundzwanzigste handgestickte Tischdecke kümmern, während
sie fernsieht. Der Papagei sitzt auf ihrer Schulter und beobachtet die
Bewegungen mit der Nadel. Ab und an plärrt und kackt er fröhlich vor
sich hin. Ein Hund furzt stinkend unterm Wohnzimmertisch.
Papa kommt nach Hause und schenkt sich ein erstes Bier ein. Keifend
beklagt sie sich was sie für eine Last mit dem Kind hat, das so ganz
und gar nichts taugt und einfach nur Arbeit macht. Ihn interessiert das
Gejammere wegen dem schrecklichen Kind und um ihre verlorenen Jahre
genau so wenig wie das Kind, wegen dem er sie damals heiraten
mußte.
Das Kind liegt mit, von den heutigen Prügeln, schmerzenden Gliedern im
kalten Bett und starrt an die Decke seines Zimmerchens im Keller, wo es
Schatten beobachtet und sich Geschichten dazu ausdenkt, damit es sich
nicht so einsam fühlen muß. Allerlei Getier, Engel, Tod und Teufel
kommen und gehen bis es mit knurrendem Magen erschöpft
einschläft.
"Miezmiezmiez" wird oben die Katze ins Haus gerufen, dann geht Mama mit
ihrem hochgeschlossenen Flanellnachthemd, ihrem rosa Strickjäckchen und
ihren Wollsocken ins Bett, während Papa noch bis weit nach Mitternacht
weiter fernsieht, um ein Gespräch zu vermeiden und seine Ruhe vor ihr
zu haben. Er macht es sich gemütlich, zieht seine Schuhe aus und legt
die Füße auf den Tisch, nachdem er die bestickte Tischdecke mit einer
verächtlichen Bewegung runtergewischt hat. Wenn einer von ihnen zuerst
sterben würde, dann würde er als erstes diese gottverdammten
Tischdecken verbrennen. Soviel steht für ihn fest. Im Fernsehen läuft
gerade irgendein Bericht mit der altbekannten Tatsache, daß weit mehr
Menschen im Tierschutz aktiv sind als im Kinderschutz, weil mal wieder
irgendwo mitten im Wohlstandsland irgendein total verwahrlostes Kind
aufgefunden wurde. Gelangweilt switcht er mit der Fernbedienung auf
einen anderen Sender, auf dem ein Sexfilmchen läuft und sucht nun mit
flinken Fingern in seiner Hose nach seinem recht vernachlässigten
Schrumpelstielzchen.
Die Katze würgt im Schlafzimmer auf dem Teppich vor dem Bett röchelnd
einen Haarklumpen hervor und kotzt dabei noch weiteres Unverdautes
aus.
Wenn sich Papa heute im Dunklen ins Bett schleicht, in dem neben seiner
Frau schon einer der Hunde liegt und schnarcht, wird er mal wieder
barfuß in glitschigfeuchten, magensaftgetränkten Katzenhaarmatsch
treten, der dann zwischen seinen Zehen schmatzend hochquillt.
Lektüre für die
Frau von Welt |
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