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Licht- und Schattenspiele (Neuvorstellung)

Schriftstellerin: Catherine Mosberger

Biografische Daten: „Wahres Wissen ist nicht zeitbedingt und relativ unabhängig vom Verstand“, so Catherine Mosberger, die 1940 in der Schweiz geboren wurde und mittlerweile eine leidenschaftliche Wahl-Mallorquinerin geworden ist. Sie widmet ihr Werk allen Fragenden und Suchenden. Ihr Buch soll den geneigten Leser animieren, sich mutig der eigenen Realität zu stellen, ohne der Selbsttäuschung und Schönfärberei zu erliegen. Catherine Mosberger schreibt Geschichten und Gedichte vom Lieben und Leben, von Toleranz und Eifersucht, von Frauen und Männern, die einander Glück und Verdruss bereiten können. Es geht zudem um das Für und Wider einer Abtreibung, die elementarem Leben entgegentritt. Mosbergers unheroische Helden übern sich darin, aus inneren Quellen zu schöpfen und etwas so Unterschätztes wie Intuition und Sinnlichkeit stärker zuzulassen.

Nach Überzeugung der Autorin ist Mut zur Eigenverantwortung und selbständigem Denken der Schlüssel zum wahren Menschsein. Wer sich hingegen zeitlebens hinter aufgezwungenen Glaubensvorstellungen verschanzt, wird in Trostlosigkeit enden!

Himmelsgeschichte

Bereits Jahrzehnte vor meinem sogenannten Ableben hatte ich mich ernsthaft zu sorgen begonnen.
Der mir angepriesene katholische Himmel wollte mir wenig verlockend vorkommen: von der Hölle ganz zu schweigen …
Auch meine Streifzüge durch andere Religionen vermochten mich nicht einzunehmen: Offensichtlich war ich resistent gegen alle Institutionen. Und dieses, obwohl oder gerade weil ich an Gott glaube; auf meine Weise, die sich offensichtlich von anderen unterscheidet. Doch mir fiel das Personifizieren schon immer schwer.
Hingegen kann ich mir Gott problemlos als höchstes Prinzip denken, durch das alles Leben und jedwelches Sein erschaffen und getragen wird. Und folglich der göttliche Geist allumfassend allgegenwärtig wirkt. Doch wenn nichts sein kann, was nicht durch Gott begründet ist: Was soll ich mit einem Teufel anfangen?!
Ich sah und sehe diesen als blinde Ausgeburt menschlicher Schuldgefühle und weigere mich vehement, ihm eine eigenständige Existenz einzuräumen! Mögen Polaritäten das menschliche Dasein begleiten: In der Ewigkeit haben sie keinen Stellenwert.
Jedenfalls habe ich bis anhin nichts Diesbezügliches angetroffen: bloss unterschiedlich entwickelte Persönlichkeiten. Meinen Tod habe ich auch nicht bemerkt. Beim Erwachen verwunderte mich bloss die ungewohnte Szenerie. Es machte den Anschein, als würde ich in einem Krankenhaus liegen. Ringsum war alles weiss getüncht, doch bei einnehmender Atmosphäre. Ich vermeinte eine sanftklingende Meditationsmusik zu hören und sah mich verwundert um. Die Frage stieg in mir hoch, wann und wie ich hierher gekommen sein mochte. Doch noch ehe ich irgendwelche Mutmassungen anstellen konnte, kam eine freundlich lächelnde Gestalt auf mich zu, die mich herzlich willkommen hiess! Ich staunte sie fragend an, denn ihr Anblick war mir unvertraut. Ohne viel Umschweife liess sie mich wissen, dass ich mein irdisches Dasein hinter mir gelassen hätte …
Ich war dermassen verblüfft, dass ich nicht wusste, ob ich nun weinen oder lachen sollte. Irgendwie kam mir alles absurd vor, weil ich ganz offensichtlich lebte und folglich nicht tot sein konnte! Zwar hatte ich keine bestimmte Vorstellung vom Tod, doch dass man ihn verschlafen kann, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. »Wie bin ich gestorben?« fragte ich mit meiner altvertrauten Stimme. »An einem Herzstillstand«, antwortete das freundliche Wesen, »während des Schlafens.« Nun, dagegen war wohl nichts einzuwenden, überlegte ich. »Und wie bin ich … hierher gekommen?« »Dein Begleiter hat dich gebracht.« Zumindest schien also die Schutzengelidee vertretbar. Nun betrat der Vorgenannte das Zimmer. Ich erkannte ihn sofort, wenn auch nicht aus dem zurückgelassenen Leben. Auf unerklärliche Weise war er mir altvertraut. Er lächelte voller Wärme und begrüsste mich mit aller Herzlichkeit. »Ich bin masslos erstaunt«, bekannte ich verlegen und stöberte verzweifelt in meinem Gedächtnis nach, woher bloss ich ihn kannte. Er schlug sogleich vor, dass ich mich erheben und mit ihm nach draussen gehen möge; was ich widerspruchslos und freudig tat.
Die Schönheit der Landschaft verschlug mir buchstäblich die Sprache! Die Blütenpracht war von einer Vielfalt, wie ich sie mir in den kühnsten Träumen nicht vorzustellen vermocht hätte! Die berauschenden Düfte schienen obendrein auch eine Art Klangmuster zu bilden, welches man riechen, hören und sehen konnte! Das war entschieden paradiesisch, überlegte ich; es fehlten lediglich herumflatternde Engel. Mein Begleiter grinste vor sich hin: Offenbar vermochte er meine Gedanken wahrzunehmen. »Na ja«, sagte er amüsiert, »das mit dem Gefieder ist ein bisschen naiv … wir kommen hier ohne solche Umständlichkeiten zurecht.« Nun musste auch ich lachen, besonders weil ich mir vorzustellen versuchte, wie so manches Pfäffchen bei seiner Ankunft reagieren mochte … »Keine voreiligen Schlüsse«, warnte mein Begleiter, »das hier ist eine Zwischenstation … oder genauer betrachtet … ein Umschlageplatz der Systeme.«

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Mosberger, Catherine: Licht- und Schattenspiele. Ungewöhnliche Geschichten.
2., erweiterte Auflage
Reihe: Frieling-Kurzgeschichten und Erzählungen
208 Seiten • Taschenbuch (Paperback) • EUR 9,90
ISBN 3-8280-2315-0 • Frieling-Verlag Berlin

Das Buch kann über den Buchhandel bezogen oder direkt beim Verlag schriftlich unter der Faxnummer 030 / 7 74 41 03 bestellt werden. Die Versandkosten betragen jeweils 2,50 €. Bestellungen aus dem Ausland werden per Vorkasse bearbeitet. Ebenso sind Bestellungen per Internet unter www.frieling.de möglich.

Catherine Mosberger: Licht- und Schattenspiele
Lektüre für die Frau von Welt