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Rächtschraipunk

von Gundela Patricia Koller

Es war einmal ein wohlhabendes Land.
Man nannte es das Land der Dichter und Denker.
Die intelligenten und gebildeten Denker erkannten sich untereinander unter anderem an ihrer Rechtschreibung. Im Ausland schätzte man dieses Land sehr, da es so intelligente Menschen hatte.
Dies ärgerte die Dummen, die es natürlich auch in diesem Lande gab. Da es, wie fast überall auf der Welt, mehr Dumme als Denker gab, waren die Doofen mächtiger als die Klugen. Doofe sind meistens auch neidisch. So beschlossen sie, daß man die Denker den Dummen gleichmachen sollte und erfanden dumme Regeln für die Rechtschreibung und setzten diese per Gesetz durch, so daß nun keiner mehr wußte wie man richtig schreibt. Die Verwirrung im Land war groß und die Dummheit wuchs.

Da man nun alle Bücher der fortschreitenden Verblödung anpassen mußte, kostete das sehr viel Geld, denn nun wurden alle immer wieder neu geschrieben und gedruckt. Da die Dummen sich auch nicht einigen konnten was denn nun richtig und was denn nun falsch sein sollte, gab es dann bald viele falsche Schreibweisen, die aber auch wieder von vielen für richtig betrachtet wurden. Völlig verwirrte Lehrer verwirrten Kinder. Sogar kluge Eltern konnten ihren Kindern nicht mehr bei den Hausaufgaben helfen, da sie nun selbst nicht mehr wußten was nun richtig und was nun falsch war. So wurde nun auch die Schulbildung und die Entwicklung der Kinder behindert. Ein paar Jahre später stritten die Mächtigen immer noch über die neue Rechtschreibung und erfanden dauernd neue Regeln, an die sich ein Teil hielt und der andere eben wieder nicht. So übersahen sie, daß es dem Land der neuen Dummheit und Gedankenlosigkeit immer schlechter ging und daß die Menschen immer ärmer und schließlich sogar obdachlos wurden. Weil das Umschreiben der Bücher, - die auch schon bald keiner mehr lesen konnte, weil ja keiner mehr wußte wie man richtig schreibt -, so viel Geld verschlungen hatte, gab es nämlich keines mehr für die Armen und da die Mächtigen immer zuerst bei den Armen mit dem Sparen anfangen und niemals bei sich selbst, gab es dann auch schon bald die ersten Toten der Verblödungsreformen. Da sich die Dummheit durch das Land fraß wie eine schlimme Epidemie, gab es kaum noch Menschen, die sich nicht angesteckt hatten und die wenigen, die ihre Klugheit bewahren konnten wurden sehr unglücklich und schließlich schwermütig, weil es nichts gab um die fortschreitende Volksverdummung aufzuhalten.
Die Gebäude der Städte brachen im Laufe der Jahre zusammen und wurden von Pflanzen bewachsen bis sie ganz unter Bäumen, Moos und Sträuchern verschwanden.
"Komm laß uns gemeinsam verblöden" sagte Eva-Maria, eine ehemalige Ärztin, verzweifelt zu ihrem Freund Peter, einem arbeitslosen Patentanwalt. "Was nutzt uns unsere Intelligenz noch in diesem Land, wenn wir damit nur um so schmerzlicher erleben, wie hilflos wir gegen die Übermacht der Dummheit sind?"
"Ja, laß uns was gegen unser Hirn tun" antwortete Peter frustriert und holte seine letzte Flasche Rum aus seinem Versteck unter den Trümmern einer eingestürzten Brücke hervor. Gemeinsam suchten sie im Wald nach heimischen Drogen und sammelten Fliegenpilze und Tollkirschen. Sie brauten daraus zusammen mit dem Rum ein gefährliches Getränk und besoffen sich zielstrebig. Bald waren sie volltrunken und wilde Halluzinationen setzten ein. Als Eva-Maria ihren Freund dann mit stark geweiteten Pupillen im Drogenrausch ansah, überkam sie ein animalisches Verlangen. Sie griff sich einen Holzprügel aus dem Lagerfeuer.
"Huga, huga!" brüllte sie und zog Peter mit der Keule eins über. Dann schleifte sie den Bewußtlosen an seinen Haaren in ihre Höhle, kotzte sich die Seele aus dem Leib und malte bis zu seinem Erwachen mit einem rostigen Nagel Bildchen von Mammuts und Dinosauriern auf den Fels.
"Pipikaka" grunzte er als er wach wurde, rappelte sich hoch und kackte hinter die Feuerstelle.
"Bumm bumm" forderte sie ihn strahlend auf und er besprang sie glücklich.

Neun Monate später gebar Eva-Maria einen Sohn. Im Laufe der Zeit zeigte dieser erschreckende Anzeichen von Intelligenz. Sie erschlugen ihn und brieten ihn über dem Lagerfeuer.
Und wenn sie nicht gestorben sind?
Huga, huga. Bumm bumm!

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