Rächtschraipunk
Es war einmal ein wohlhabendes
Land.
Man nannte es das Land der Dichter und Denker.
Die intelligenten und gebildeten Denker erkannten sich untereinander
unter anderem an ihrer Rechtschreibung. Im Ausland schätzte man dieses
Land sehr, da es so intelligente Menschen hatte.
Dies ärgerte die Dummen, die es natürlich auch in diesem Lande gab. Da
es, wie fast überall auf der Welt, mehr Dumme als Denker gab, waren die
Doofen mächtiger als die Klugen. Doofe sind meistens auch neidisch. So
beschlossen sie, daß man die Denker den Dummen gleichmachen sollte und
erfanden dumme Regeln für die Rechtschreibung und setzten diese per
Gesetz durch, so daß nun keiner mehr wußte wie man richtig schreibt.
Die Verwirrung im Land war groß und die Dummheit wuchs.
Da man nun alle Bücher der
fortschreitenden Verblödung anpassen mußte, kostete das sehr viel Geld,
denn nun wurden alle immer wieder neu geschrieben und gedruckt. Da die
Dummen sich auch nicht einigen konnten was denn nun richtig und was
denn nun falsch sein sollte, gab es dann bald viele falsche
Schreibweisen, die aber auch wieder von vielen für richtig betrachtet
wurden. Völlig verwirrte Lehrer verwirrten Kinder. Sogar kluge Eltern
konnten ihren Kindern nicht mehr bei den Hausaufgaben helfen, da sie
nun selbst nicht mehr wußten was nun richtig und was nun falsch war. So
wurde nun auch die Schulbildung und die Entwicklung der Kinder
behindert. Ein paar Jahre später stritten die Mächtigen immer noch über
die neue Rechtschreibung und erfanden dauernd neue Regeln, an die sich
ein Teil hielt und der andere eben wieder nicht. So übersahen sie, daß
es dem Land der neuen Dummheit und Gedankenlosigkeit immer schlechter
ging und daß die Menschen immer ärmer und schließlich sogar obdachlos
wurden. Weil das Umschreiben der Bücher, - die auch schon bald keiner
mehr lesen konnte, weil ja keiner mehr wußte wie man richtig schreibt
-, so viel Geld verschlungen hatte, gab es nämlich keines mehr für die
Armen und da die Mächtigen immer zuerst bei den Armen mit dem Sparen
anfangen und niemals bei sich selbst, gab es dann auch schon bald die
ersten Toten der Verblödungsreformen. Da sich die Dummheit durch das
Land fraß wie eine schlimme Epidemie, gab es kaum noch Menschen, die
sich nicht angesteckt hatten und die wenigen, die ihre Klugheit
bewahren konnten wurden sehr unglücklich und schließlich schwermütig,
weil es nichts gab um die fortschreitende Volksverdummung
aufzuhalten.
Die Gebäude der Städte brachen im Laufe der Jahre zusammen und wurden
von Pflanzen bewachsen bis sie ganz unter Bäumen, Moos und Sträuchern
verschwanden.
"Komm laß uns gemeinsam verblöden" sagte Eva-Maria, eine ehemalige
Ärztin, verzweifelt zu ihrem Freund Peter, einem arbeitslosen
Patentanwalt. "Was nutzt uns unsere Intelligenz noch in diesem Land,
wenn wir damit nur um so schmerzlicher erleben, wie hilflos wir gegen
die Übermacht der Dummheit sind?"
"Ja, laß uns was gegen unser Hirn tun" antwortete Peter frustriert und
holte seine letzte Flasche Rum aus seinem Versteck unter den Trümmern
einer eingestürzten Brücke hervor. Gemeinsam suchten sie im Wald nach
heimischen Drogen und sammelten Fliegenpilze und Tollkirschen. Sie
brauten daraus zusammen mit dem Rum ein gefährliches Getränk und
besoffen sich zielstrebig. Bald waren sie volltrunken und wilde
Halluzinationen setzten ein. Als Eva-Maria ihren Freund dann mit stark
geweiteten Pupillen im Drogenrausch ansah, überkam sie ein animalisches
Verlangen. Sie griff sich einen Holzprügel aus dem Lagerfeuer.
"Huga, huga!" brüllte sie und zog Peter mit der Keule eins über. Dann
schleifte sie den Bewußtlosen an seinen Haaren in ihre Höhle, kotzte
sich die Seele aus dem Leib und malte bis zu seinem Erwachen mit einem
rostigen Nagel Bildchen von Mammuts und Dinosauriern auf den
Fels.
"Pipikaka" grunzte er als er wach wurde, rappelte sich hoch und kackte
hinter die Feuerstelle.
"Bumm bumm" forderte sie ihn strahlend auf und er besprang sie
glücklich.
Neun Monate später gebar Eva-Maria einen
Sohn. Im Laufe der Zeit zeigte dieser erschreckende Anzeichen von
Intelligenz. Sie erschlugen ihn und brieten ihn über dem
Lagerfeuer.
Und wenn sie nicht gestorben sind?
Huga, huga. Bumm bumm!
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