Der Produzent
Wäre er in einem Film vorgekommen, hätte
ich es für maßlos übertrieben gehalten... ein buckliger Zwerg fährt
brilliantenbehangen im Jaguar vor, um seinen "zukünftigen Filmstar"
abzuholen... Er bleibt im Auto sitzen, ich steige ein, er fährt los. Im
Eilverfahren erfahre ich nun, was alles zu besitzen er sich erfreut:
eine Yacht, eine Villa am See, auch die Brillianten an Hals und
Handgelenk werden noch extra betont und natürlich die Filmproduktion.
Vor dem Betreten der Villa wird mir noch eingeschärft, daß wir uns
schon ewig kennen würden, damit mein Entree´ besser wäre. Dann darf ich
endlich alte Filmplakate bestaunen und brav der Familie, - die sich
gleich dezent zurückzieht, indem sie das Haus verläßt -, Händchen
geben.
Mit gönnerhafter Geste reicht er mir einen "Vitamintrank." Ich nehme
einen Schluck und bin versucht, ihn augenblicklich wieder
auszuspucken.
Es ist irgendein Schnaps mit ein bißchen Orangensaft. Verwunderlich, wie so wenig Saft so viel Alkohol dann doch seine Farbe verleiht. Als ich vorsichtshalber die Gläser vertausche, -ich bin zwar eine Blondine, aber auch als solche kennt man den möglichen Ärger mit Zwergen aus den Märchen und dieses Exemplar hier mußte ein Nachkomme von Rumpelstilzchen sein -, da weiß ich wenigstens wieder wie gut Orangensaft pur schmeckt. Kaum bin ich aber durch die ständig laufenden Filme abgelenkt, da bekomme ich einen erneuten Alkoholstoß ab, als ich wieder zu meinem Glas greife. Es ist schon interessant mit ihm zu plaudern, vor allen Dingen, wie gut er sich selber zuhören kann...
Bisher war ich stolze Besitzerin meiner Figur, aber nun erfahre ich, daß mein Busen nicht "filmreif" genug sei, er müsse größer gemacht werden, was er in liebevoller Weise und mit drei Semestern Medizinstudium selbst durchführen wolle. Ein Extrakt aus Rinderhoden und eine Massage an jedem zweiten Tag sollten wahre Wunder wirken, damit sich aber die Poren bereitwillig zur Aufnahme öffnen würden, sollte ich gleich ein Bad nehmen. Nachdem ich noch ein dringendes Telefonat mit einer Kollegin geführt habe, bei dem mir kräftig in den Po gezwickt wurde, ist mir klar, daß ich doch keine Rolle in seinem Film haben möchte.
Ich stecke heimlich meine mitgebrachten Fotos wieder ein und sage, ich müsse dringend wieder nach Hause, da ich noch einige Anrufe erwarten würde. Nach ernsten Gesprächen, die er auch wieder alleine führt, wie gefährlich doch der Münchner Stadtteil sei, in dem ich wohne, beschließt er, mich aus Sicherheitsgründen bei sich zu behalten, das Bett sei ohnehin breit genug und jeder Mensch sei doch in Wahrheit kuschelbedürftig.
Eine Sekunde lang steigt vor mir das Schreckensbild auf: Ich in seidene Bettwäsche gehüllt, mit einem runzligen Zwerg an meiner Seite, der mich herzhaft in den Po zwickt. Sehr zum zwergischen Bedauern entkomme ich aus der Villa, als ich mich durch das Toilettenfenster ins Freie zwänge und renne, erst durchs feine Rosenbeet und dann noch querfeldein.. Aufgelesen von einem Lastwagenfahrer, der sich durch giftige Blicke von mir abhalten läßt, mich auf der Fahrt zum Taxistand zu begrapschen, komme ich nach Hause , wo ich von dem "Vorstellungsgespräch" erschöpft ins Bett falle und ins Reich der Alpträume hinübersegele, aber doch in dem Bewußtsein: Ich bin in Sicherheit...
Lektüre für die
Frau von Welt |
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