Reisen in erotische Fantasiewelten (Neuvorstellung)
Über das Buch:
Im Süden oder im Osten.
Im Norden oder im Westen.
Am Ostseestrand oder an der atlantischen Küste.
In der Wüste oder auf einer einsamen Insel.
In fremden Städten und Straßen.
In nächtlichen Bars und Clubs.
Bloß auf Balkonien.
Oder doch auf der anderen Seite der Welt.
Reisen in erotische Fantasiewelten.
Geschichten von unverhofften und schicksalhaften, tragischen und
komischen erotischen Reiseerlebnissen.
Über die Autor/innen:
Vierunddreißig reiselüsterne Autor/innen aus Deutschland und Österreich
erzählen von erotischem Nah- und Fernweh.
| Über den Verlag: Der Storia Verlag ist ein junger Münchner Verlag, der mit sinnlichen Büchern verführen will. »ReiseLust« Erotic Short Stories S. I. Struck (Hrsg.) Storia Verlag Paperback, 200 Seiten ISBN: 3-9809768-4-X ISBN-13: 978-3-9809768-4-8 13.00 EUR[D] Erwerb, Info, Leseproben im Internet unter: http://reiselust.storia-verlag.de |
Einladung
von Katerina Nemec
Der Regen nahm den Staub mit, rann die Fensterläden hinunter. Die
standen offen, heute, das erste Mal, in diesen drei heißen Tagen. Sie
fragte sich, warum sie gegangen war. So schnell, so überstürzt. Als
hinge ihr Leben davon ab. Ihre gemeinsame Zukunft. Er wusste nicht
einmal, wo sie war. Das durfte er nicht. Das würde ihr alles
verderben.
Sie war dahin geschmolzen, die vergangenen Tage. Der Regen nun, würde
Frische und Klarheit bringen. Sie wollte nicht hinausgehen. Aber allein
sein wollte sie auch nicht. Es sollte etwas passieren. Etwas
Verwegenes. Jetzt. Ihre Brüste schmiegten sich an das weiße Hemd. Keck
und erwartungsvoll. Als wollten sie hinausspringen. Der feuchte gelbe
Staub der Straße kroch dampfend über das Kopfsteinpflaster. Die Welt
sah ocker aus. Eine melancholische Schönheit lag in dem Tag, in dem
heißen Regen, der dahin plätscherte wie ihre Gedanken. War es Reue? Der
Regen schwemmte Gedanken an – spülte sie sogleich wieder fort.
Reingewaschen. Die Lust blieb. Die Lust sich in der Hitze zu verlieren,
im rhythmischen Tröpfeln des Regens. Ohne Gedanken. Aber niemand schien
sie zu bemerken, niemand sah hinauf in den Regen, hinauf zu ihrem
Fenster, an dem sie lehnte, die Brüste voller Erwartung im dünnen
weißen Hemd.
Schon wollte sie die Vorhänge zuziehen. Schon streckten sich ihre Arme
nach der Stange, an der das Tuch hing. Ihre Augen klebten noch auf der
lehmfarbenen Straße, waren durchleuchtet von all den kleinen
Regentropfen, die in der Hitze flirrten. So wurde sie gesehen. Er
blickte hinauf zu ihr, durch den Regen. Jetzt sah sie ihn auch. Er
stand da, beiläufig, kaute an etwas herum, an einem Zahnstocher
vielleicht. Mit seinem dunklen lodernden Blick hatte er sie ganz
umfasst, ihr Gesicht, ihre Augen, ihr Haar, das Hemd, ihre Brüste, ihre
Arme, die gerade die Vorhangstange erreicht hatten, um das Tuch
herunterzufalten. Und er, der sie mitnahm mit seinem Blick, mit nur
einem Blick.
Sie stand da, und wusste nicht mehr, warum ihre Hände die Vorhangstange
festhielten, und noch weniger konnte sie sie einfach herunternehmen.
Und er zog wie beiläufig eine Karte aus seiner Tasche, eine
Visitenkarte, studierte sie, blickte dann zum Haus als suche er eine
Hausnummer. Blickte die Straße entlang. Dann, als wüsste er seinen Weg
wieder, schob er die Karte zurück in die Tasche. Blickte noch einmal zu
ihr hoch und machte sich auf den Weg, lächelnd. Und die Karte, die er
in seine Hosentasche schieben wollte, war zu Boden gefallen. Brannte
dort auf der staubigen nassen Straße. Im Wasserbad unter immer neuen
Regentropfen. Sie stand am Fenster, bewegungslos. Die Karte brannte in
ihren Augen. Die Karte, die sein Geheimnis kannte. Die wusste, an
welchem Ort er nun sein würde. Ihr Atem übersprang den Rhythmus der
Tropfen. Ihre Hände ließen die Stange los, umklammerten das
Fensterbrett, wollten nach der Karte tasten. Sie wagte nicht,
hinunterzulaufen auf die Straße. Sie kam sich nackt vor, ausgezogen. Es
war ihr als hätte er an ihrer Brust gesaugt. Die fühlte sich schwer an.
Sie wankte ins Zimmer, ließ sich aufs Bett fallen. Sein Blick, der mit
ihr ruhte. In ihr. Auf ihrer Haut, die knisterte. Sie genoss die Kühle,
die die Luft auf ihre feuchten Beine blies.
Der Regen hatte aufgehört. Vielleicht wachte sie daher auf. Die
plötzliche Ruhe, oder die langanhaltende Ruhe ohne die rhythmischen
Regentropfen. Sie strich ihren Rock zurück und schritt hinaus. Da war
es schon dämmrig. Und immer noch heiß. Die dampfende Luft. Sie ging ein
Stück, einige Meter, um dann mit langsamen Schritten zurückzukehren.
Dahin, wo die Karte immer noch lag. Ein Stück aufgeweichtes Papier. Das
führte sie durch verwinkelte Gassen, an Plätzen vorbei. Ihr Herz
klopfte, als sie durch die Halle in den Hof schritt. Als wäre es ihr
verboten, durch diese offene Tür zu gehen. Unentschlossen blickte sie
in den großen Hof. Steine, Büsche, hohes Gras. Die Luft war würzig hier
und schwerer, als würde die Stille den blauen Himmel tiefer senken.
Felice hielt den Atem an, als sie den ersten Schritt in den Hof tat.
Der Kies nahm ihr Gewicht auf. Sie spürte das Knirschen unter ihren
Sohlen. Mit jedem Schritt brannte sein Blick in ihr. Quer über dem Hof
leuchteten zwei Fenster. Ein warmer gelber Ton. Ihr Instinkt lenkte sie
hinüber. Sie schritt vom Kiesweg ab, über die holprige steinerne Wiese.
Die langen Gräser, die ihre Beine benässten und ihren Rock. Für einen
Augenblick erschauerte sie in der hitzigen Abendluft.
Die Fenster waren nur noch einige Meter entfernt, die einzigen
erleuchteten Fenster. Dann blieb sie abrupt stehen. Sie erkannte ihn
sofort und suchte hinter den dünnen Zweigen eines Gebüsches Schutz. Er
stand hinter einer Frau. Er war bekleidet, so wie am Nachmittag, die
Frau war vollkommen nackt. Ihr schlanker runder Körper stand in der
Mitte des Raumes, einen Arm hatte sie erhoben und er strich mit seinen
Fingern über ihr Handgelenk, hinunter, bis zu ihren Brüsten, die sich
rund und schön in seine Hände legten. Felice stand hinter dem
spärlichen Gebüsch und schluckte. Sie wollte sich umdrehen und gehen,
enttäuscht, gedemütigt, da sah er ihr in die Augen. Er musste sie
sehen. Seine Augen trafen die ihren. Etwas schien ihr zu sagen, die
Inszenierung gehöre ihr. Eine Schau nur für sie. Und sie blieb stehen.
Sein Blick hatte sie festgebrannt. Hinter den Zweigen, die sie kaum
verdeckten, nicht weit von dem Raum, in dem er den Körper der Frau
liebkoste. Sie sah zu, wie die Frau sich an das Fensterbrett lehnte,
wie sie ihren Kopf auf das Sims legte, den Körper gebeugt, und fast
dachte Felice, die Frau müsste sie auch sehen. Sobald sie ihren Kopf
hob, müsste sie sie sehen. In Ekstase vielleicht, wenn er von hinten an
sie heranschritt. Seine Hand rutschte in ihren Schoß und Felice dachte
es würde nun geschehen. Sie wollte weglaufen war aber gleichsam
fasziniert und fühlte sich in merkwürdiger Weise geehrt, diesem intimen
Spiel beiwohnen zu dürfen, denn mittlerweile verstand sie es als eine
Einladung. Da wandte er den Frauenkörper zu sich um und setzte die Frau
auf das Sims. Der Körper lehnte gegen die Fensterscheibe, saugte sich
daran fest, dann beugte er sich wieder ein wenig vor. Sie küssten sich,
als er in sie drang und sie lehnte den Kopf zurück, ihre Haare
hinterließen bizarre Muster auf dem Glas. Ihr Körper wurde heißer und
die Scheibe beschlug. Die Haut schmolz in das Glas und das Schaukeln
wurde zu einem Fließen. Die Arme auseinander gestreckt, hielt sie sich
rechts und links an der Wand. Ihr Becken kreiste in seinen Händen. Sie
floss in seine Arme und er trug sie fort.
Es wäre Zeit zu gehen, jetzt. Felice war in Gedanken schon unterwegs,
über den Hof bis zur Halle. Aber sie konnte sich nicht entschließen.
Sie stand da, bewegungslos. Der Wind schlich unter ihren Rock. Leckte
sie da, wo sie seine Hand gespürt hatte. Als hätte er sie gestreichelt.
Unter dem Rock, unter dem sie vollkommen nackt war. Sie starrte zu den
leeren Fenstern hinüber, in denen das Licht heimatlos brannte. So
verlassen wie sie. Lange stand sie so, und lange wusste sie nicht, dass
das nur ein Vorspiel gewesen war. Bis sie seinen Atem spürte, seine
Finger an ihrem Mund, seine Stimme in ihrem Haar. Seine Lippen krochen
den Nacken hinauf und ihre Brüste erwachten wieder unter dem Hemd.
Hüpften ihm entgegen, als sie sich umwandte. Der Wind, der ihre Beine
umwehte, unter ihren Rock flatterte und die feuchte Haut kühlte. Die
Nacht verschwand in ihren Armen.
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