Bienenkinder
Biografische Daten: Hinter beebee
steckt ein 39jähriger Programmierer, der die Natur mag, knorrige Bäume
am Herbststrand, mythische Bücher, Katzen, Computerspiele und die alte
Verknüpfungsreligion, Diskussionen über Paralleluniversen... Doch in
ihm steckt auch ...ein Kind.
Eine Frau kann auf zwei Arten lieben – ihren Gefährten und ihr Kind.
Doch was ist, wenn ihr Gefährte zugleich Kinderaugen hat? Das ist ein
Zauberland, von dem ihr noch niemals gehört habt. Aber es ist da. Es
summt ganz klein und verzaubert. Hört ihr das?
Liebe ist wie Honig. Süß wie Honig. Nur mögen nicht alle die gleiche Art von Honig. Ist das schlimm? Manche möchten die allererste Art von Liebe, als sie Wickelkinder waren, in der Wanne plantschten, Lego spielten und in den Schlaf gesungen wurden. Und? Fehlt etwas? Erstaunlicherweise nicht. Im Gegenteil, es gibt so viel mehr. So viel mehr Offenheit, Unbefangenheit, Schneeballschlachten, Drachenbauen – und: so viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten für Liebe.
Meerjungfrauen und Milchkocher
So ist das dann also. Mama und ich, hier
auf der Arbeit. Ab und zu ein kleiner Blick, ein Lächeln, wenn sie an
mir vorbeiläuft auf dem Weg zur Leseecke und sich zwei Hefter holt. Sie
streichelt mir über den Kopf. Mama hat die Glastür zu ihrem Büro
geöffnet und ich höre sie am Computer tippen oder mit ihren Unterlagen
hantieren.
"Maja?" ruft sie zwischendurch hinüber, "Dein Name ist übrigens auch
wie Cornflakes, hörst du?"
"Hmmm? echt? mein Name? wieso denn...?"
"Na Maja, stell dir vor, du hießest Katharina, dann müsste ich dich mit
Katharina ansprechen, wenn ich meine Frau meine und mit Kathrinchen
oder so ähnlich, wenn ich mein Windelknäuel meine. Du bist aber einfach
immer Maja, immer beides. Ich brauche mir nicht zu überlegen, ob ich
dich auf der Straße anders rufe und mir deinen Kosenamen verkneife.
Maja ist Maja, das find ich so wunderschön, passt zu dir, weil ich dich
so haben will, dass du immer ein bisschen beide Majas bist: die Große
und die kleine Babybiene."
"Maja ergo summmmmmm...."
Mama lacht. Ich sage: "Ja toll. Du bist mal wieder meilenweit im
Vorteil! Ich schätze, ich muss in Zukunft – gerade hier in der Kanzlei
– echt aufpassen, dass ich dich nicht aus Versehen Mama nenne. Oh oh,
das wird kreuzgefährlich, sag ich dir, Mami. Bist du mir dann böse?
Weißt du eigentlich, warum ich dich früher immer lieber 'Frau Michalik'
nennen wollte und lange nicht zum Du mit 'Susanne' übergegangen bin?
Jetzt lachst du mich bestimmt aus!"
"Hmmmm, das hat mich gewundert, ja." Mama macht eine Pause im Tippen.
"Warum, Bienenkind? Sag."
"Weil 'Susanne' ... so schön klingt ... ja, wie Freundinnen ... aber
... weil 'Frau Michalik' mehr wie zu dir hochgucken ist, weil es fast
so schön wie 'Mama' sagen war, weil ich das möglichst lange behalten
wollte, auch wenn du es nie wusstest. Das ging mir immer ein bisschen
gut, wenn ich 'Frau Michalik' zu dir gesagt hab. Hmmm naja, war alles,
was ich damals hatte."
"Komm nochmal zu mir, kleines Bienenkind! Damals schon, immer schon,
meine Kleine?"
"Fast immer schon, Mama. Was sollte ich denn machen? Du warst so
wunderbar... Jaa, schau mich doch nicht so mit deinen wunderbaren Augen
an! Mh – ich hatte doch diese Instinkte – und die konnten nicht anders
– mussten sich immerzu anziehen lassen von dir ..."
Ich bin zu Mama gesprungen, sie hält mich auf dem Schoß, fasst mich
hinten sacht an meiner Latzhose. "Und, alles in Ordnung, was du jetzt
dafür geworden bist? Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen, meine
kleine Meerjungfrau zu werden?"
"Ja. Immer Ja."
"Und willst du kleine Meerjungfrau deiner Mammi ihren Morgenkaffee
bringen? Und hol dir auch was zu trinken, Kind", zwinkert Mama mich
an.
"Mach ich. Ja ja."
Auf in die Teeküche. Kaffeemaschine einschalten, Kaffee einfüllen.
Hmmm, vorige Woche hab ich das noch für Frau Michalik gemacht. Unsere
zwei Kaffeetassen. Halt, meine hab ich irgendwie verbummelt. Tsssst,
Mädchen, warst du durcheinander vorige Woche. Ich kann sie auch nicht
wiederfinden. Nur so einen gelben Becher. Hmmm. Was steht denn da
eigentlich neben der Kaffeemaschine? Das seh ich jetzt erst. Ist das
ein Milchkocher? Für Milch braucht man ja so spezielle Kochtöpfe, damit
die Milch nicht überkocht. Hmm ja, neben der Kaffeemaschine steht jetzt
ein Milchkocher. Und der gelbe Becher. Ich schaue in den Kühlschrank
unserer kleinen Teeküche, und richtig: dort stehen drei Packungen
Milch, und dazu Pulver zum rein mischen, Kakao, Banane, Vanille. Mamma
hat das alles dort rein gestellt, wer sonst. Gesagt hat sie nichts. Ich
möchte ihr um den Hals fallen und sie immer lieben.
Da steht jetzt ein Milchkocher. Einfach so. Das ist Mama.
Sie hat so wunderbare Gesten, spielt so wunderbar in mein Leben. Da
steht jetzt ein Milchkocher, weil sie ihn für ihre Kindfrau halt
braucht – sie muss ihn gestern dahin gestellt haben bestimmt? Kaffee
findet Mama nicht mehr passend für mich, sie hat jetzt Milch in
verschiedenen Geschmacksrichtungen für mich ausgesucht. Aber einen
dummen Doppelhenkelbecher aus Plastik mit buntem Babyaufdruck stellt
sie mir auch nicht hin, ich bin auch ihre Gefährtin, nicht nur ihr
Baby. Aber doch auch wieder: Milch, jetzt kein Kaffee mehr – deutlich
genug. Mama spielt die Musik, die ich brauche, wunderbar. Sie kennt
mich zu gut, und das Schönste ist: sie will es auch so. Ab heute also
Kaffee für sie und für mich immer Milch.
Mit glänzenden Augen komme ich zu ihr zurück. Mama sieht, dass ich die
Kaffeetasse und den gelben Becher trage, doch noch wichtiger: mein
glückliches Gesicht.
"Du hast alles gefunden, mein Schatz. Du bist ja auch mein schlaues
Kind. Ist Kakao, Vanille und Banane erstmal schön für dich, Kleines,
oder möchtest du auch etwas anderes? Auch Himbeere?"
"Mhhhh, weiß nicht, Mammi", lächle ich glücklich. "Ich möcht beim
nächsten Mal mitkommen und sehen, wie du für mich einkaufst,
Mama."
"Das wirst du, das wirst du ab jetzt, mein Spatz. Du wirst so vieles."
Pause. "Ist das schön mit dir, hab ich dir das schon gesagt? Ich war
ein bisschen dumm, zu übersehen, welche kleine Perle da direkt vor
meinen Augen rumkullerte. Zu meinen mildernden Umständen kann ich nur
vorbringen, dass ich gar nicht mal gewusst habe, dass es so etwas wie
dich überhaupt gibt, mein Einziges." Mama lächelt mich an. "Ich freue
mich auf heute Abend, Kleines. So Schatz, und jetzt sieh einmal nach,
ob du Birgits und Franziskas Vertrag schön machen kannst? Aber vergisst
du auch nicht, was ich dir am Sonntag dazu gesagt hab: wenn dir das
Herz zu voll mit Sehnsucht wird bei dem Vertrag und du Hilfe brauchst,
was macht mein Kind dann?"
"Ich laufe zu dir, du bist ja da."
"Ja mein Kind." Sie küsst mich. "Das weisst du."
| Sie möchten wissen, wie diese Geschichte weiter geht? Dann können Sie dieses Buch käuflich erwerben unter: beebee: Bienenkinder. Das Buch kann über den Buchhandel bezogen werden oder direkt beim Verlag unter www.autorenbuchhandel.de bestellt werden. |
Lektüre
für die Frau von Welt |
Lektüre
für die Frau von Welt