Der Bettler
Da lieg ich nun im Straßenstaub und seh´
die Menschen nur als Füße, die vorübergehn.
Ich halte die Hand auf und wage doch nicht, den Blick zu heben, - um
nicht die Verachtung in ihren Augen zu sehen, die sie für mich übrig
haben. Was bin ich für ein jämmerlicher Anblick! Die Kleidung
zerschlissen, dreckig und drunter ungewaschen, hungrig und abgemagert
bis auf die Knochen..., - irgendwann am Leben zerbrochen, hab mein
Schicksal nicht gemeistert...., da liege ich nun und habe nichts mehr,
woran ich glauben kann, - auch nicht an mich.
Ich halte mich an meiner Flasche Fusel fest, dem letzten Freund, der
mir blieb, als das Leben unerträglich wurde, spüre noch die
schmerzenden Glieder, wie ich täglich schwächer werde und wie
irgendwelche Krankheiten leise schleichend in meinen Körper Einzug
halten.
Nun überlege ich wieder: Schaffe ich es
noch bis morgen? Gehe ich heute nacht nochmal unter die Brücke zu den
anderen oder mache ich heute noch Schluß? Ich nehme wieder einen
Schluck aus der Flasche, die mir Vergessen schenkt...
Ein Geldstück fällt auf das Pflaster, ich nicke demütig und sage:
"Danke schön" und stecke es schnell ein, dann merke ich, daß es keine
Absicht war, daß es nur jemand verloren hat und es regt sich ein
letzter Rest von Traurigkeit in mir. Da kommt ein Kind zu mir und
lächelt liebevoll, - schenkt mir sein Pausenbrot, gibt mir das Gefühl,
doch noch ein Mensch zu sein. Ich schaffe es doch noch bis morgen, - wo
sich mir die gleiche alte Frage wieder stellt ....
Lektüre für die
Frau von Welt |
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Frau von Welt