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Der Bettler

von Gundela Patricia Koller

Da lieg ich nun im Straßenstaub und seh´ die Menschen nur als Füße, die vorübergehn.
Ich halte die Hand auf und wage doch nicht, den Blick zu heben, - um nicht die Verachtung in ihren Augen zu sehen, die sie für mich übrig haben. Was bin ich für ein jämmerlicher Anblick! Die Kleidung zerschlissen, dreckig und drunter ungewaschen, hungrig und abgemagert bis auf die Knochen..., - irgendwann am Leben zerbrochen, hab mein Schicksal nicht gemeistert...., da liege ich nun und habe nichts mehr, woran ich glauben kann, - auch nicht an mich.
Ich halte mich an meiner Flasche Fusel fest, dem letzten Freund, der mir blieb, als das Leben unerträglich wurde, spüre noch die schmerzenden Glieder, wie ich täglich schwächer werde und wie irgendwelche Krankheiten leise schleichend in meinen Körper Einzug halten.

Nun überlege ich wieder: Schaffe ich es noch bis morgen? Gehe ich heute nacht nochmal unter die Brücke zu den anderen oder mache ich heute noch Schluß? Ich nehme wieder einen Schluck aus der Flasche, die mir Vergessen schenkt...
Ein Geldstück fällt auf das Pflaster, ich nicke demütig und sage: "Danke schön" und stecke es schnell ein, dann merke ich, daß es keine Absicht war, daß es nur jemand verloren hat und es regt sich ein letzter Rest von Traurigkeit in mir. Da kommt ein Kind zu mir und lächelt liebevoll, - schenkt mir sein Pausenbrot, gibt mir das Gefühl, doch noch ein Mensch zu sein. Ich schaffe es doch noch bis morgen, - wo sich mir die gleiche alte Frage wieder stellt ....

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